Das Wichtigste in Kürze
- →83% der Schweizer KMU haben keine Cyber-Versicherung — obwohl die durchschnittliche Schadensumme bei CHF 4.3 Mio. pro Vorfall liegt.
- →Eine Cyber-Police für ein 20-Personen-KMU mit CHF 2 Mio. Deckung kostet typischerweise CHF 1'800 bis CHF 3'200 pro Jahr.
- →Die 10 wichtigsten Versicherer auf dem Schweizer Markt unterscheiden sich in Deckung und Prämie teils um über 40% — ein Vergleich lohnt sich fast immer.
- →Seit dem nDSG (September 2023) haften Unternehmen bei Datenlecks stärker als früher — eine saubere Cyber-Police schliesst die rechtlichen Folgekosten ein.
1. Was ist eine Cyber-Versicherung?
Eine Cyber-Versicherung ist eine Versicherungspolice, die Unternehmen vor den finanziellen Folgen von Cyber-Angriffen, Datenlecks und IT-Ausfällen schützt. Sie ist in der Schweiz seit etwa 2015 auf dem Markt und hat sich in den letzten drei Jahren zum am schnellsten wachsenden Segment der Unternehmensversicherung entwickelt.
Im Unterschied zu klassischen Versicherungen deckt eine Cyber-Police sowohl Eigenschäden (eigene Kosten für Wiederherstellung, Betriebsunterbruch, Krisenmanagement) als auch Drittschäden (Haftpflicht gegenüber Kunden, Partnern, Behörden). Sie kombiniert damit Elemente einer Sachversicherung, einer Haftpflichtversicherung und einer Rechtsschutzversicherung in einem Produkt.
Für Schweizer KMU besonders relevant: Moderne Cyber-Policen enthalten in der Regel einen 24/7-Incident-Response-Service. Im Schadensfall erhalten Sie innerhalb weniger Stunden Zugang zu Forensikern, Rechtsanwälten und Kommunikationsspezialisten — ein Service, der für kleinere Unternehmen ohne solche Police finanziell kaum erreichbar wäre.
2. Warum Schweizer KMU besonders betroffen sind
Die Schweiz gehört zu den am stärksten digitalisierten Volkswirtschaften der Welt und gleichzeitig zu den lukrativsten Zielen für internationale Cyber-Kriminelle. Das Nationale Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) verzeichnete 2025 über 62'000 gemeldete Cyber-Vorfälle — ein Anstieg von 22% gegenüber dem Vorjahr. Die Dunkelziffer wird auf das Drei- bis Fünffache geschätzt.
Die drei wichtigsten Gründe, warum gerade KMU im Fokus stehen:
- Hohe Zahlungsbereitschaft: Schweizer KMU gelten als zahlungskräftig und haben eine höhere Neigung, Lösegeldforderungen zu begleichen, um Betriebsunterbrüche zu vermeiden.
- Geringere IT-Sicherheitsbudgets: Im Vergleich zu Grossunternehmen verfügen KMU über deutlich weniger Ressourcen für Prävention, Monitoring und Incident Response.
- Lieferkettenrisiken: Kleinere Zulieferer werden gezielt kompromittiert, um Zugang zu grösseren Zielen zu erhalten (sogenannte Supply-Chain-Attacks).
Der durchschnittliche Schaden nach einem Cyber-Vorfall bei einem Schweizer KMU beträgt gemäss aktuellen Daten CHF 4.3 Mio. — bestehend aus Betriebsunterbruch, Datenwiederherstellung, Rechtskosten und Reputationsschaden. Für ein 30-Personen-Unternehmen entspricht das mehreren Jahresgewinnen.
3. Was eine Cyber-Police in der Schweiz abdeckt
Eine moderne Schweizer Cyber-Police deckt in der Regel acht Kernmodule ab. Die Deckungsumfänge unterscheiden sich zwischen den Anbietern teils erheblich — lesen Sie immer die Besonderen Bedingungen, nicht nur die Marketing-Broschüre.
| Modul | Was ist gedeckt | Typische Sublimit |
|---|---|---|
| Datenwiederherstellung | Wiederherstellung verschlüsselter oder zerstörter Daten, Forensik | 100% Deckungssumme |
| Betriebsunterbruch | Gewinnausfall durch IT-Ausfall (typisch 12 Stunden Wartezeit) | 12 Monate |
| Ransomware | Lösegeld, Verhandlung, Krypto-Beschaffung | CHF 500k – 2 Mio. |
| Cyber-Haftpflicht | Drittschäden aus Datenlecks, Vertragsstrafen | 100% Deckungssumme |
| nDSG-Kosten | Meldepflichten, Benachrichtigung Betroffener, Bussgelder | CHF 250k – 1 Mio. |
| Krisenkommunikation | PR-Agentur, Medientraining, Hotline | CHF 100k – 500k |
| Forensik | Externe IT-Forensiker (24/7) | CHF 250k – 1 Mio. |
| Betrug / Social Engineering | CEO-Fraud, Fake-President, Payment Diversion | CHF 100k – 500k |
Angaben basierend auf einer Auswertung von 10+ gängigen Cyber-Policen auf dem Schweizer Markt, Stand April 2026.
Ein oft übersehener Punkt: Viele Policen enthalten Ausschlüsse, die im Schadensfall teuer werden können. Die häufigsten: Vorsatz von Mitarbeitenden, Nichteinhaltung dokumentierter Sicherheitsstandards (z.B. fehlendes Patching), Nutzung unautorisierter Cloud-Dienste, Vorschäden und Angriffe durch staatliche Akteure.
4. Was kostet eine Cyber-Versicherung in der Schweiz?
Die Prämie wird anhand von fünf Faktoren berechnet: Umsatz, Branche, Deckungssumme, Selbstbehalt und IT-Sicherheitsreife. Die folgende Tabelle zeigt typische Jahresprämien für Schweizer KMU mit durchschnittlichem Risikoprofil:
| Unternehmensgrösse | Deckung CHF 1 Mio. | Deckung CHF 2 Mio. | Deckung CHF 5 Mio. |
|---|---|---|---|
| Kleinstunternehmen (1–9 MA) | CHF 600 – 1'200 | CHF 950 – 1'800 | CHF 1'800 – 3'000 |
| Kleinunternehmen (10–49 MA) | CHF 1'100 – 2'200 | CHF 1'800 – 3'200 | CHF 3'200 – 5'500 |
| Mittelunternehmen (50–249 MA) | CHF 2'800 – 5'500 | CHF 4'500 – 8'500 | CHF 7'500 – 14'000 |
| Grosse KMU (250+ MA) | auf Anfrage | CHF 9'000 – 18'000 | CHF 15'000 – 32'000 |
Branchenspezifische Aufschläge oder Rabatte können das Bild stark verändern. Als Faustregel:
- Treuhand, Anwalt, Arzt: +20 bis 50% Aufschlag wegen sensibler Daten
- SaaS, E-Commerce: +30 bis 70% wegen Plattform-Haftung und hoher Abhängigkeit
- FINMA-regulierte Institute: +40 bis 80% wegen regulatorischer Anforderungen
- Handwerk, Bau, Gastronomie: oft 10 bis 20% Rabatt, geringe Daten-Exposition
Wichtig: Ein höherer Selbstbehalt reduziert die Prämie signifikant. Wer statt CHF 2'500 einen Selbstbehalt von CHF 10'000 wählt, spart typischerweise 18 bis 25% Prämie.
5. Die wichtigsten Cyber-Versicherer in der Schweiz
Auf dem Schweizer Markt sind rund 12 Anbieter mit eigenem Cyber-Produkt aktiv. Die folgende Übersicht zeigt die neun wichtigsten:
| Versicherer | Max. Deckung | Fokus-Segment | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Zurich Insurance | bis CHF 25 Mio. | KMU bis Grossunternehmen | Starker Incident-Response mit eigenem Netzwerk |
| AXA Schweiz | bis CHF 10 Mio. | KMU | Inkl. kostenlosem Präventions-Check |
| Helvetia | bis CHF 5 Mio. | KMU | Modularer Aufbau, Mitgliederrabatte |
| Die Mobiliar | bis CHF 3 Mio. | Kleinstunternehmen bis KMU | Stark in der lokalen Beratung |
| Baloise | bis CHF 2 Mio. | KMU und Dienstleister | Einfache digitale Abschlussprozesse |
| Allianz | bis CHF 50 Mio. | Mittelgrosse bis grosse Unternehmen | Internationale Programme verfügbar |
| Chubb | bis CHF 50 Mio. | Mittelgrosse Unternehmen | Breiteste Deckung am Markt |
| AIG | bis CHF 100 Mio. | Grossunternehmen, Konzerne | CyberEdge mit integrierter Plattform |
| Hiscox | bis CHF 10 Mio. | Spezialrisiken, Startups | Flexible Deckung für digitale Geschäftsmodelle |
Angaben ohne Gewähr. Deckungsumfänge werden regelmässig angepasst. Stand April 2026.
Eine reine Gegenüberstellung der Marken sagt wenig aus — die gleiche Versicherung kann bei Anbieter A für CHF 2'400 und bei Anbieter B für CHF 3'900 kosten, ohne dass die Deckung nennenswert besser wäre. Der SwissGuard-Vergleichsrechner wertet die Konditionen aller Anbieter in Echtzeit aus und zeigt, wo Sie den besten Schutz für Ihr Profil bekommen.
6. So wählen Sie die richtige Cyber-Police
Die Auswahl einer geeigneten Cyber-Versicherung folgt idealerweise einem strukturierten Prozess. Hier die sechs Schritte, die wir für jedes Schweizer KMU empfehlen:
- Risiko-Assessment: Was sind Ihre kritischsten Daten und Prozesse? Welche Auswirkung hätte ein 48-Stunden-Ausfall? Welche Branchen-Compliance betrifft Sie (nDSG, FINMA, MedTech)?
- Deckungssumme festlegen: Als Startwert: 1× bis 2× Jahresumsatz, mindestens aber CHF 1 Mio. Berücksichtigen Sie Betriebsunterbruch-Kosten (Umsatz pro Tag × 30 als Minimum).
- Mindestanforderungen definieren: Ransomware-Einschluss, 24/7-Incident-Response, Social-Engineering-Modul, nDSG-Kosten, keine Silent-Cyber-Ausschlüsse.
- Offerten einholen: Mindestens drei Anbieter — traditionell über einen Makler, schneller über eine Vergleichsplattform.
- Besondere Bedingungen prüfen: Wartezeiten, Sublimits, Ausschlüsse, obligatorische Security-Massnahmen, Kündigungsrechte.
- Jährlich überprüfen: Umsatz, IT-Landschaft und Bedrohungslage ändern sich. Eine vor drei Jahren abgeschlossene Police ist heute fast nie noch optimal.
7. Typische Deckungslücken — worauf Sie achten müssen
In unseren Analysen bestehender Policen finden wir bei über 70% der Schweizer KMU mindestens eine relevante Deckungslücke. Die fünf häufigsten:
1. Social Engineering / CEO-Fraud nicht gedeckt
Viele ältere Policen decken nur technische Angriffe, nicht aber Betrug durch Täuschung (z.B. gefälschte E-Mails vom Geschäftsführer, die eine Überweisung auslösen). Dieser Schaden ist bei Schweizer KMU extrem häufig — Schnitt: CHF 180'000 pro Fall.
2. Zu kurze Wartezeit beim Betriebsunterbruch
Policen mit 24- oder 48-Stunden-Wartezeit zahlen bei kleineren, aber häufigen Vorfällen gar nichts. Empfehlung: maximal 12 Stunden.
3. Ausschluss von Cloud-Dienstleistern
Wenn Ihr Schaden durch einen Ausfall bei Microsoft 365, AWS oder Google Cloud entsteht, greifen viele Policen nicht. Achten Sie auf «Contingent Business Interruption».
4. Keine Deckung für nDSG-Bussgelder
Bussen der Schweizer Datenschutzbehörde können bis CHF 250'000 betragen. Nur manche Policen decken Rechtskosten zur Abwehr — die Busse selbst fast nie.
5. Silent-Cyber-Ausschlüsse in anderen Policen
Seit 2023 schliessen die meisten Sach-, Haftpflicht- und BI-Policen «Cyber-Ereignisse» explizit aus. Ohne eigenständige Cyber-Police bleiben Sie doppelt ungeschützt.
8. FINMA, nDSG und NCSC — der rechtliche Rahmen
Die Schweizer Regulierung im Cyber-Bereich hat sich seit 2023 deutlich verschärft. Drei Rahmenwerke sind für praktisch jedes Unternehmen relevant:
nDSG (neues Datenschutzgesetz)
In Kraft seit dem 1. September 2023. Unternehmen müssen Datenverletzungen dem EDÖB «so rasch als möglich» melden — in der Praxis innerhalb von 72 Stunden nach Kenntnisnahme. Verstösse können mit bis zu CHF 250'000 pro verantwortlicher Person (nicht Unternehmen!) gebüsst werden. Die rechtliche Beratung und die technische Aufklärung eines Vorfalls ist ohne Cyber-Police kaum finanzierbar.
FINMA Rundschreiben 2023/1 — Operationelle Risiken
Für Banken, Versicherer, Effektenhändler und Vermögensverwalter verbindlich. Cyber-Risiken müssen systematisch identifiziert, gemessen und bewirtschaftet werden. Eine Cyber-Versicherung ist zwar nicht ausdrücklich vorgeschrieben, wird aber als Risikotransfer-Instrument ausdrücklich anerkannt. FINMA-regulierte Institute sollten ihre Police auf die spezifischen Anforderungen abstimmen — besonders die Meldepflichten an die FINMA bei schwerwiegenden Cyber-Vorfällen.
NCSC-Meldepflicht (seit 2024)
Betreiber kritischer Infrastrukturen (Energie, Transport, Gesundheit, Finanzen, öffentliche Verwaltung) sind seit 2024 verpflichtet, Cyber-Vorfälle innerhalb von 24 Stunden an das Nationale Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) zu melden. Verstösse können mit Bussen bis CHF 100'000 geahndet werden. Gute Cyber-Policen decken die Unterstützung bei solchen Meldungen mit ab.
9. Echte Schadensbeispiele aus der Schweiz
Die folgenden Fälle sind anonymisiert, basieren aber auf realen Schweizer Vorfällen der letzten 24 Monate:
Fall 1 · Treuhänder · Kanton Zug · 22 MA
Ransomware-Angriff durch Phishing-Mail. Alle Kundendaten auf dem Fileserver verschlüsselt. Lösegeld gefordert: BTC im Gegenwert von CHF 380'000.
Gesamtschaden: CHF 1.2 Mio. (Lösegeld, Forensik, Betriebsunterbruch 9 Tage, nDSG-Meldung, Reputationsmanagement). Gedeckt durch Cyber-Police: CHF 1.05 Mio. · Eigenanteil: CHF 150k.
Fall 2 · SaaS-Anbieter · Zürich · 45 MA
Datenleck durch missbräuchlichen API-Zugriff. 180'000 Kundendatensätze exfiltriert. Meldepflicht an EDÖB, Kundenbenachrichtigung, Klagen mehrerer Grosskunden.
Gesamtschaden: CHF 2.8 Mio. (Haftpflicht, Rechtskosten, Reputationsschaden, Kundenabwanderung). Gedeckt: CHF 2.0 Mio. (Deckungssumme erreicht).
Fall 3 · Vermögensverwalter · Genf · 14 MA
CEO-Fraud: Gefälschte E-Mail des Partners führt zu Überweisung von CHF 420'000 an Konto in Asien. Entdeckt nach 4 Tagen.
Gedeckt: CHF 380'000 (Social-Engineering-Modul, abzüglich Selbstbehalt CHF 25k und Sublimit CHF 500k).
10. Branchenspezifische Hinweise
Jede Branche hat ihre eigenen Cyber-Risikoprofile und regulatorischen Anforderungen. Detaillierte Leitfäden zu den wichtigsten Branchen finden Sie hier:
Anwaltskanzleien
Mandatsgeheimnis, nDSG
Treuhänder
Kundendaten, FINMA-OAK
Arztpraxen
Patientendaten, HIN
Architekten
BIM, Projektdaten
SaaS-Startups
Plattform-Haftung
Online-Shops
PCI-DSS, Kundendaten
Industrie / Produktion
OT/ICS, Ausfallzeit
Gastronomie / Hotel
POS, Buchungsdaten
Vermögensverwalter
FINMA, FIDLEG
Bauunternehmen
Projekte, SIA-Normen
11. Häufige Fragen zur Cyber-Versicherung in der Schweiz
30 Antworten auf die meistgestellten Fragen rund um Cyber-Versicherungen im Schweizer KMU-Markt.
Was kostet eine Cyber-Versicherung in der Schweiz?
Was deckt eine Cyber-Versicherung in der Schweiz typischerweise ab?
Ist eine Cyber-Versicherung für Schweizer KMU Pflicht?
Welche Versicherer bieten Cyber-Policen in der Schweiz an?
Zahlt die Cyber-Versicherung bei Ransomware-Angriffen?
Was ist der Unterschied zwischen Cyber- und IT-Haftpflichtversicherung?
Welche Deckungssumme ist für ein Schweizer KMU sinnvoll?
Wie lange dauert der Abschluss einer Cyber-Versicherung?
Was ist ein Silent-Cyber-Ausschluss?
Kann ich die Cyber-Versicherung jederzeit wechseln?
Was passiert, wenn ich IT-Sicherheitsmassnahmen nicht umsetze?
Deckt die Cyber-Versicherung auch Mitarbeiter-Handys und Laptops?
Was ist Social Engineering und ist es gedeckt?
Welche Wartezeit ist bei Betriebsunterbruch ideal?
Was ist Contingent Business Interruption?
Sind nDSG-Bussen versicherbar?
Muss ich Cyber-Vorfälle dem NCSC melden?
Was deckt das Modul Krisenkommunikation?
Was ist das Retroaktivdatum?
Wie berechnet sich die Prämie einer Cyber-Police?
Deckt die Cyber-Versicherung auch Angriffe durch staatliche Akteure?
Welche IT-Massnahmen verlangt der Versicherer zwingend?
Sind Kryptowährungen für Lösegeld gedeckt?
Was passiert mit meiner Police bei einem Firmenverkauf?
Sind Datenlecks durch Mitarbeiter gedeckt?
Was ist mit Cloud-Providern wie Microsoft 365 oder Google Workspace?
Wie unterscheidet sich eine Cyber-Police von einer D&O-Versicherung?
Kann ein Startup ohne Umsatz eine Cyber-Police abschliessen?
Was kostet der SwissGuard-Vergleich?
Ist meine Domain sicher genug für eine günstige Prämie?
12. Glossar — 50 Begriffe, die Sie kennen sollten
Die wichtigsten Fachbegriffe aus Cyber-Versicherung und IT-Sicherheit im Schweizer Kontext, alphabetisch sortiert.
APT (Advanced Persistent Threat)
Hochentwickelter, langanhaltender Angriff — typischerweise staatlich oder organisiert kriminell motiviert.
Backup (3-2-1-Regel)
3 Kopien, 2 verschiedene Medien, 1 offline. Der De-facto-Standard, den Versicherer verlangen.
Betriebsunterbruch (BI)
Gewinnausfall durch IT-Ausfall. Wichtigster Kostenblock bei den meisten Cyber-Schäden.
Botnet
Netzwerk aus kompromittierten Geräten, die ferngesteuert für Angriffe (z.B. DDoS) missbraucht werden.
Bricking
Unbrauchbarwerden von Hardware durch Cyber-Angriff. Ersatzbeschaffung ist oft ausgeschlossen.
BYOD (Bring Your Own Device)
Nutzung privater Geräte für geschäftliche Zwecke — häufige Deckungslücke in älteren Policen.
CEO-Fraud
Betrug durch gefälschte E-Mails im Namen des CEO, um Überweisungen auszulösen.
Contingent BI
Betriebsunterbruch durch Ausfall eines Dienstleisters (z.B. Microsoft 365, AWS).
Credential Stuffing
Automatisierter Login-Versuch mit gestohlenen Zugangsdaten aus anderen Datenlecks.
Dark Web Monitoring
Überwachung illegaler Foren auf gestohlene Zugangsdaten oder Unternehmensdaten. Teil vieler Policen.
DDoS
Distributed Denial of Service — Überlastung eines Dienstes durch massenhafte Anfragen.
Deckungslücke
Risiko, das von der Police formal nicht oder nur teilweise erfasst ist.
Deductible
Selbstbehalt. Teil des Schadens, den der Versicherte trägt.
Deepfake
KI-generierte Audio-/Videofälschung, zunehmend genutzt für CEO-Fraud und Erpressung.
EDR (Endpoint Detection & Response)
Erkennungs- und Reaktionssoftware auf Endgeräten — wird von Versicherern zunehmend vorausgesetzt.
EDÖB
Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter. Meldeadresse bei Datenlecks.
EPDG
Elektronisches Patientendossier-Gesetz. Relevant für alle Schweizer Gesundheitsdienstleister.
Exfiltration
Das unbefugte Kopieren von Daten aus einem System durch einen Angreifer.
Fidelity Bond
Vertrauensschadenversicherung — deckt vorsätzliche Schäden durch Mitarbeitende, oft als Ergänzung zur Cyber-Police.
FINMA 2023/1
Rundschreiben der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht zu operationellen Risiken.
Incident Response
Sofortige Reaktion auf einen Cyber-Vorfall — technisch, rechtlich, kommunikativ.
ISO 27001
Internationaler Standard für Informationssicherheit. Zertifizierung kann die Prämie um bis zu 20% senken.
Kumul
Gleichzeitige Betroffenheit vieler Versicherter durch dasselbe Cyber-Ereignis.
Malware
Oberbegriff für Schadsoftware — umfasst Viren, Würmer, Trojaner, Ransomware und Spyware.
MFA
Multi-Faktor-Authentifizierung. Wird von fast allen Cyber-Policen als Mindeststandard verlangt.
MITRE ATT&CK
Framework zur Klassifikation realer Angreifer-Taktiken. Referenz für Incident-Response-Teams.
NCSC
Nationales Zentrum für Cybersicherheit. Bundesstelle für Cyber-Vorfälle in der Schweiz.
nDSG
Neues Datenschutzgesetz der Schweiz (in Kraft seit 1.9.2023).
NIS2
EU-Richtlinie zu Cybersicherheit. Relevant für Schweizer KMU mit EU-Geschäft oder Töchtern.
Patch Management
Systematisches Einspielen von Software-Updates. Fehlende Patches sind häufigste Einbruchsursache.
PCI-DSS
Payment Card Industry Data Security Standard — Pflicht für Händler, die Kreditkartendaten verarbeiten.
Penetration Test
Simulierter Angriff durch Ethical Hacker. Viele Versicherer honorieren jährliche Tests mit Rabatten.
Phishing
Täuschungsmails, die Zugangsdaten abgreifen. Einstiegsvektor für über 90% aller Cyber-Vorfälle.
Playbook
Vorab definierter Ablaufplan für den Ernstfall. Wird vom Versicherer bei Schadensfall abgefragt.
Ransomware
Schadsoftware, die Daten verschlüsselt und Lösegeld fordert.
Retroaktivdatum
Datum, ab dem Schäden gedeckt sind — auch wenn sie erst später gemeldet werden.
RPO (Recovery Point Objective)
Maximal akzeptabler Datenverlust in Zeiteinheiten. Definiert die Backup-Frequenz.
RTO (Recovery Time Objective)
Maximal akzeptable Ausfallzeit nach einem Vorfall. Einflussgrösse für die BI-Deckungssumme.
SIEM
Security Information and Event Management — zentrale Sammlung und Analyse von Sicherheitslogs.
Silent Cyber
Implizit gedeckte Cyber-Risiken in traditionellen Policen, heute meist explizit ausgeschlossen.
SOC
Security Operations Center — 24/7-Überwachungseinheit. Oft extern bezogen, kann Prämie senken.
Social Engineering
Manipulation von Menschen (nicht Technik), um an Informationen oder Geld zu kommen.
Spear Phishing
Gezielter Phishing-Angriff auf eine bestimmte Person oder Rolle, meist Führungskräfte.
Sublimit
Teil-Deckungssumme für ein bestimmtes Modul, niedriger als die Hauptdeckung.
Supply Chain Attack
Angriff über einen Dienstleister oder Software-Lieferanten (Beispiel: SolarWinds, 3CX).
Threat Intelligence
Strukturierte Informationen über aktuelle Bedrohungen und Angriffsmuster.
Wartezeit
Zeitraum nach Schadensbeginn, ab dem der Versicherer zu zahlen beginnt.
War Exclusion
Ausschlussklausel für staatlich zurechenbare Angriffe. Seit dem Merck-Urteil 2022 präziser formuliert.
Zero-Day
Schwachstelle, für die noch kein Patch existiert. Mehrpreis für «Zero-Day»-Deckung: 5–15%.
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